
| 28.01.2010 - Schützengilde der Stadt Lage erneuert Heizung des Schießsta |
Lage (wi). Kalt bzw. zu kalt war es selten im Gesellschaftsraum des Schießstandes an der Eichenallee, wenn sich dort die Kompanien zu ihren Schießabenden trafen. Häufiger war das Gegenteil der Fall. „Zuweilen hatten wir hier ein schweißtreibendes Saunaklima“, erinnert Bataillonsschießoffizier Reinhard Beins an Kompanieabende, als ihm nach kurzer Zeit das Hemd am Rücken klebte. Und zwar nicht im Hochsommer, sondern im Spätherbst oder im zeitigen Frühjahr.
Um der „Überhitzung“ des Gesellschaftsraums einen Riegel vorzuschieben, hat die Schützengilde in der vergangenen Woche die mehr als drei Jahrzehnte alten Gas-Einzelöfen durch eine moderne Erdgasheizung ersetzen lassen. Neue Fenster mit Isolierverglasung folgen in einigen Tagen. Einziges Regelungsinstrument der insgesamt fünf Gas-Einzelöfen war jeweils ein Temperaturfühler, der bei Unterschreiten der eingestellten Temperatur den Ofen in Betrieb setzte und ihn bei Erreichen der gewünschten Gradzahl ausschaltete. Diese Steuerung war eine von mehreren Unzulänglichkeiten der Heizung. Reinhard Beins: „Oft wurde nach Ende eines Schießabends vergessen, alle Öfen auszuschalten bzw. die Temperaturfühler auf die Minimumtemperatur zurückzudrehen.“ Die Folge war, dass die Öfen munter Gas verbrannten, um die Raumtemperatur zu halten, auch wenn niemand diese Wärme benötigte, weil sich kein Schütze im Schießstand aufhielt. Stand einige Tage später wieder ein Schießabend an, wunderten sich die Kompanieangehörigen, die als erste den Gesellschaftsraum betraten, warum ihnen „saunaähnliche“ Temperaturen entgegenschlugen. War in den 1970er und 80er Jahren ein solch „großzügiger“ Umgang mit Heizenergie möglicherweise noch hinnehmbar, weil der Gaspreis relativ niedrig und das Wort „Treibhausgas“ noch unbekannt war, änderte sich dies spätestens in den jüngsten Jahren. Der Vorstand der Gilde setzte die Heizungserneuerung ganz oben auf seine Agenda 2010. Ein mit einer Brauerei ausgehandelter Vertrag, das sogenannte „Herforder Abkommen“, stellte die Finanzmittel für die Heizungserneuerung bereit. Die jüngste Generalversammlung der Schützengilde billigte das „Herforder Abkommen“, so dass unlängst der Heizungsinstallateur und der Fensterbauer beauftragt werden konnten. Das Eieruhr-Prinzip Bei der jetzt installierten Heizung handelt es sich um eine gasbetriebene Warmwasserheizung mit Brauchwassererwärmung, wie beides vielerorts in Eigenheimen zum Einsatz kommt. Das Besondere ist allerdings die Steuerung. Horst Kwasny, Geschäftsführer des bauausführenden heimischen Installationsbetriebs Gutowski: „Die Heizung läuft grundsätzlich nur dann, wenn sie zuvor händisch mittels einer Zeitschaltuhr eingeschaltet wurde. Das Einschalten der Zeitschaltuhr funktioniert durch Aufziehen - wie bei einer Eieruhr.“ Die Zeitschaltuhr läuft maximal 200 Minuten. Spätestens nach Ablauf dieser Zeitspanne schaltet die Uhr die Heizung aus. Es sei denn, jemand „zieht die Uhr wieder auf“, aber auch dann ist spätestens nach 200 Minuten wieder „Feierabend“. Durch diese Steuerung ist ausgeschlossen, dass die Heizung für angenehme Wohntemperaturen in einem menschenleeren Schießstand sorgt. Horst Kwasny: „Weil der Gesellschaftsraum des Schießstandes in der Woche nur ab und zu, aber zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Tagen benutzt wird, kam eine wohnungstypische Steuerung mit zum Beispiel Tagesbetrieb und Nachtabsenkung zu festen Zeiten in regelmäßig wiederkehrenden Intervallen nicht in Frage.“ Horst Kwasny schätzt, dass die Schützengilde allein durch die Umstellung von den Gas-Einzelöfen auf die Gas-Zentralheizung ein Drittel weniger Gas verbrauchen wird. Zusätzliche Einsparungen würden sich durch das Verhindern der unsinnigen Raumbeheizung während der Leerstandszeiten und durch den Einbau hochwertiger Iso-Fenster ergeben. Und Bataillonsschießoffizier Reinhard Beins erinnert daran, dass mit dem Einsparen von aus Gas erzeugter Heizenergie natürlich auch ein kleiner Beitrag seitens der Schützengilde zur Reduktion der CO2-Emmissionen verbunden sei. |